Es werde Frühling… Und zwar zackig

Erst einmal viele liebe Frühlings- und Ostergrüße an alle unsere Leser,

leider reicht die Zeit im Augenblick einfach nicht für persönlichere Grüße für jeden Einzelnen. Ich bitte um Verständnis. Wenn die Schule keine Osterferien hätte, muss ich zugeben, hätten wir wahrscheinlich nicht einmal mehr daran gedacht, dass Ostern ist. Letztes Jahr war das unser letztes großes Familienevent, bevor es für uns in die asiatische Welt ging (einen Jubiläumsblog soll es eigentlich auch demnächst noch geben…). In Deutschland wird man ja automatisch kurz nach Weihnachten durch Geschäfte prall gefüllt mit Ostersachen und Osterdeko daran erinnert. Ich stelle einfach mal in den Raum, dass nur noch die Wenigsten die Auferstehung Jesu Christi feiern. Man freut sich über ein paar freie Tage und Zeit für die Familie.

Wir hier in Peking sind in der Beziehung völlig von dieser für uns normalen Welt abgeschnitten. Doch zum Glück wurden in Schule und Kiga Osterkörbchen gebastelt und der Osterhase hat es glücklicherweise auch in die 30. Etage geschafft, um in der Wohnung ein paar Kleinigkeiten zu verstecken. Wir hatten schon Bedenken, dass er uns in China nicht findet;-)

Eigentlich sollte dieser Blog auch schon längst fertig sein, denn wir befinden uns ja schon wieder inmitten des nächsten Abenteuers. Urlaub in Vietnam zusammen mit Lisa! Aber dazu mehr demnächst!

Der Frühling kommt…und zwar von 0 auf 100! Es hat seit unserem Skiurlaub überhaupt nicht mehr geregnet. Dies ist natürlich irgendwie toll, denn das hat die klirrende Kälte wesentlich ertragbarer gemacht, als jeder Winter den ich bis jetzt in Deutschland erlebt habe. Letztendlich war es aber doch recht lange kalt und ich sehne mich wieder nach dem heißen Pekinger Sommer. Früh bis nachts keine Jacke tragen müssen, das ist (m)ein Traum (Lars denkt etwas anders über die glühende Hitze;-). Seit dem 16. März ist nun auch die Heizung ausgeschaltet und da es den gesamten Winter nie richtig warm in der Wohnung war, dachten wir, dass uns das nicht schaden wird. Doch wenn nachts nur knapp über 0°C sind, dann kann es vor allem früh im Bad recht unangenehm sein. Ich hoffe, dass all dies bald Geschichte sein wird (zumindest für das nächste halbe Jahr!!!). Als wir nach Vietnam aufbrachen, waren es zumindest bereits um die 20°C. Und gerade in Peking, eine Stadt in der der Dreck leider überwiegt und in der, so sehr sich die chinesische Regierung bemüht, gerade im Winter alles irgendwie noch grauer und hässlicher wirkt, als in anderen Städten, ist es um so erlösender zu beobachten, in welch rasantem Tempo der Frühling Einzug hält. An den Bäumen öffnen sich Knospen mit den schönsten Blüten oder es segeln „Würmer“ von den Bäumen vor denen unsere Mieke sich schüttelt und einen großen Bogen um diese „Tierchen“2w macht (ein wahres Vergnügen das zu beobachten). Im Park werden die vielen Boote wieder startklar gemacht und jede Grünfläche wird voller Enthusiasmus mit Feuerwehrschläuchen bewässert, damit auch nichts bei der Blitzbegrünung schiefgehen kann. Interessant ist auch wie saftig grün die vielen Hecken plötzlich aussehen. Doch auch dies liegt an einer guten Bewässerung. Wie schon gesagt, es ist einfach extremst trocken. Unsere Kutsche sieht auch, als hätten wir sie schon 10 Jahre, so verdreckt ist sie. Auf jeden Fall ist es schön, dass diese Stadt doch noch ein wenig schöner wirken kann.

Ansonsten waren die Wochen vor Ostern sehr anstrengend. Je mehr man versucht, sein „normales“ Leben aus Deutschland hier weiterzuleben, zu arbeiten, die Kinder zu versorgen, den Haushalt und immer noch diese für uns langsam völlig aussichtslos zu lernende Sprache zu lernen, desto mehr wird einem bewusst, warum es scheinbar so gedacht ist, dass nur ein Elternteil arbeitet, während der andere versucht das Leben zu organisieren. Wenn ich dann mal mit Chinesen über meine tagtäglichen Schwierigkeiten spreche, meinen sie, dass es aber auch kein Chinese so machen würde wie ich. Auch wenn die Menschen immer freundlich und interessiert schauen, so ist es für sie völlig unverständlich, dass ich zum Beispiel mit einem Fahrrad die Kinder herumfahre und alles erledige. Und so toll ich es mittlerweile finde, so ist es doch sehr nervenaufreibend, vor allem wenn man ständig unter Zeitdruck steht.

Trotzdem kann ich mich dunkel entsinnen, dass letztes Jahr alles viel besser war, als die Hitze einem eine Art Urlaubsfeeling bescherte. Ich gehe davon aus, dass dies bald wieder so sein wird!!!

 

2 Gedanken zu “Es werde Frühling… Und zwar zackig

  1. Wenn du so schreibst, dass kein Chinese das so machen würde wie du, würde mich brennend interessieren, was du denn, als kleine Deutsche, so viel anders machst, als die Chinesen?
    Warum ist das alltägliche für dich so viel nervenaufreibender, als für sie, oder als für dich hier in Deutschland?
    Miss U all! :-*

    Like

    1. Hallo liebe Steffi, für die Pekinger ist es natürlich erstmal unvorstellbar drei Kinder zu haben. Sie dann auch noch jeden Tag zur Schule zu bringen und wieder abzuholen und nicht den Schulbus zu nehmen, geht gar nicht. Die Zeit dazwischen ist, wenn man arbeiten möchten, mit Fahrweg, sehr gering. Die meisten Familien hier, vor allem Expats, haben mindestens eine Hausangestellte. Wenn sie sich das nicht leisten können, leben die Großeltern bei Ihnen, sobald Nachwuchs da ist. Ansonsten bleiben die Kinder von Familien von außerhalb oft auf dem Land bei den Großeltern, weil ich finde, dass China insgesamt recht Kinderunfreundlich ist. Es gibt keine Spielplätze und alles was Kindern Spaß machen könnte, ist irre teuer. Im Alltag dauert schon das Einkaufen länger, die Schule ist um 15.30 Uhr vorbei, es gibt mehr Ferientage als in Deutschland. Der Verkehr ist um einiges schlimmer als in Deutschland, es ist eigentlich immer und überall laut und dann kommen noch die ständigen Verständnisprobleme und dadurch oft nicht überwindbare Hürden. Dinge, die für uns völlig selbstverständlich sind, sind für Chinesen total abwegig. Die Mischung machts, liebe Steffi, dass man manchmal echt verzweifelt und sich unser wenigstens strukturiertes deutsches Leben zurück wünscht, obwohl ich nicht leugnen kann, dass ich immer noch froh bin, mal aus Deutschland raus gekommen zu sein. Da ist ja auch nicht alles rosig und schön! Viele liebe Grüße nach Bärlin;-)

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu Steffi @ "Bärlin" Antwort abbrechen