Vietnam

Zu hoffen, dass dieser Urlaub völlig ohne Probleme verlaufen wird, war wahrscheinlich sehr naiv von mir. Die erste nicht vermutete Überraschung ereilte uns direkt nach der Ankunft am Flughafen Ho Chi Minh, als um 1:45 Uhr am Morgen alle möglichen Gepäckstücke an uns vorbei fuhren, aber leider nicht unseres. Irgendwann sahen wir ein, dass es nicht mehr kommen würde und wir meldeten es als „lost“. Schon war die Urlaubsstimmung etwas getrübt. Zu wissen, dass bei über 30° C alle Sommersachen, Badesachen, Ladekabel und Kosmetika fehlen, führte nur zu mäßiger Laune. Schon bei der Taxifahrt mitten in der Nacht merkten wir, dass die Stadt mindestens genauso riesig (obwohl sie „nur“ rund 7 Mio. Einwohner zählt), pulsierend und laut ist, wie Peking. Sie ist aber auch wesentlich südländischer und grüner. An jeder Ecke gibt es Cafès, es ist heiß und die Stimmung einfach anders als in Peking. Lisa wartete bereits im Hotel auf uns. Am nächsten Tag gingen wir auf erste Entdeckungstour durch die Stadt. Im Hinterkopf die ganze Zeit unser verlorenes Gepäck. Ein Anruf beim Flughafen bringt uns die bittere Gewissheit. Keine Spur von unserem Gepäck. Also geht es weiter im Programm. Unsere erste Anlaufstelle ist das Hauptpostamt, das 1866 von Gustave Eiffel entworfen wurde. Gleich daneben steht die wunderschöne Kathedrale „Notre Dame“. Zwei Bauwerke, die irgenwie für mich nicht so ganz ins Stadtbild passen, aber die natürlich Anziehungspunkte für Touristen sind. Bevor wir uns den schockierenden Bildern des Krieges widmen, finden wir noch einen schönen großen Spielplatz im Park neben dem Wiedervereinigungspalast auf dem sich die Kinder austoben können. Dann geht es weiter zu einem der beeindruckendsten und gleichwohl erschütternsten Museen die ich je besucht habe, dem “ War Remnants Museum“ (Kriegsopfermuseum). Mit voller Härte zeigt es anhand von tausenden Aufnahmen und Beschreibungen, wie schrecklich und meiner Ansicht nach sinnlos ein Kriegs ist, erst recht, wenn er mit Waffen ausgetragen wurde, deren Folgen bis heute noch die Menschen begleiten. Angeblich zeigt es nicht alles, aber für mich, die Kriegsfilme eher meidet, reicht es. Die Bilder lassen einen den Atem stocken und man muss sich zusammenreißen, vor allem wenn man aus den Räumlichkeiten kommt, in denen es um die Versprühung von Napalm und „Agent Orange“(verunreinigt mit einem der giftigsten Dioxine) vor allem im Süden Vietnams geht. Diese Bilder bleiben im Kopf. Schreckliche Fehlbildungen bei Babys und Kindern. Selbst Föten sind ausgestellt. Zum Glück gibt es ein Spielzimmer im Museum, denn schon was die Kinder in den anderen Räumen zu sehen bekommen (Foltermethoden usw.) ist wahrscheinlich mehr als genug. 

Diese Erinnerungen mittragend geht es ab zurück in unser Hotel, immer noch ohne Klamotten…und dabei haben wir so einen netten Pool auf dem Dach;-). Den nächsten Tag gehen wir langsam an und verbringen den Nachmittag gezwungener Maßen mit Shopping (ich weiß, eigentlich sollte ich mich über diese Gelegenheit freuen, aber meist stresst mich shoppen, und erst recht im Urlaub!!!) Letztendlich landen wir auf dem größten Touri-Markt der Stadt und kommen von der „Buchse“ bis zum Oberteil wie NEU aus dem Markt. Da wir allerdings mit unseren zwei neuen Outfits auch nicht glücklich geworden wären, waren wir froh, als am nächsten Tag der Anruf kam, dass unser Gepäckstück im Laufe des Tages ins Hotel gebracht wird. An diesem Tag machten wir eine geführte Tour zu den Cu Chi Tunneln außerhalb Saigons. Wenn auch unvorstellbar für uns, dass in diesen insgesamt um die 200 km langen Tunnelsystemen 10 Jahre lang (1965 bis 1975)Menschen leben konnte, um so interessanter ist es zu hören, wie klug alles durchdacht war. Die Vietnamesen lebten dort unten, es gab Schulen, Lazarette, Kinder wurden geboren, es wurde gekocht und geschlafen. Die Tunnel waren gut getarnt und durch Fallen geschützt. Ein lohnenswerter Ausflug. An diesem Abend freuten wir uns über unsere wiedergewonnenen Sachen und konnten entspannt in den letzten Tag starten, an dem wir den sehr hübsch angelegten Tierpark besuchten und zum Abschluss unseres Saigon-Teils des Urlaubes ein traditionell vietnamesisches Wasserpuppentheater besuchten.

Am nächsten Tag starteten wir unsere Tour in Richtung Meer, ungefähr 180 km von Saigon entfernt. Ein paar Stunden später landeten wir in einem kleinen Paradies mit einer handvoll individuell gestalteter Bungalows mit Badezimmer unter freiem Himmel in dem die rosa Blüten Lars beim Duschen störten;-) Geleitet von einem Serben und einer Russin (der Inhaber konnte sehr gutes Deutsch, da er als Jugendlicher ein Internat in Wien besucht hatte), war die Anlage top gepflegt und der Service super. Drumherum sah es schon anders aus. Egal, ob linker oder rechter Hand von der Anlage türmten sich Müllberge, dazwischen Fischer, spielende Kinder und Frauen die Plastikflaschen sammelten. Die Menschen scheinen nicht von viel zu leben, aber freundlich sind sie allemal. Sie grüßen, die Kinder rufen „Hello“ und im Gegensatz zu China können erstaunlich viele Menschen Englisch, so dass man sich doch irgendwie wohler fühlt. Leider wurde die Freude am ersten Abend durch ein Spaghetti-Bolognese Erlebnis überschattet. Diese teilten sich Mieke und Lisa und genau die zwei waren dann am nächsten Tag außer Gefecht gesetzt. Eine schlimme Nacht für uns alle. Jeder kämpfte mit irgendetwas.

Da wir doch recht ab vom Schuss in unserer Anlage „gefangen“ waren, liehen wir uns am nächsten Tag zwei Motorroller, um jeweils zu Dritt die Gegend zu erkunden. Das Verkehrsverhalten ist natürlich, ähnlich wie in Peking, gewöhnungsbedürftig und so machte ich auf mich durch andauerndes Hupen aufmerksam, was Lars wiederum in den Wahnsinn trieb. Naja, für unsere geplagten Mädels kam die frische Luft wie gerufen. Als es am nächsten Tag allen wieder etwas besser ging, machten wir einen Ausflug zu einem Leuchtturm, der nur durch ein Boot zu erreichen ist und der leider erst kurze Zeit bevor wir da waren, wegen Einsturzgefahr schließen musste. Auf dem Rückweg waren wir wieder mutig und hielten an einem kleinen Straßenrestaurant, dessen Inhaber sich riesig über uns freuten und uns sehr gut bewirteten. Allerdings musste dieses Mal Lars mit einen verdorbenen Magen dafür bezahlen. Und so schleppten wir uns wieder etwas angeschlagen zum 49 m großen liegenden Buddha, ordnungsgemäß mit Schweizer Seilbahn. Gar nicht so bekannt, wenn man recherchiert, aber doch imposant. Und wie ich so bin, wollte ich wenigstens hinunterwandern. Obwohl die Begeisterung natürlich wenig groß, zogen alle mit. Der Weg führte uns auf einem sehr naturbelassenen Pfad durch den, leider wie überall, sehr verdreckten Dschungel und obwohl wir von der Seilbahn aus noch Affen gesehen hatte, so wollten sie sich uns nicht zu erkennen geben. Geschafft und verschwitzt gönnten wir uns dann nach erfolgreich absolviertem Dschungelcamp ein paar Runden im Pool…und schon war auch dieser Urlaub vorbei….

Fazit dieses erlebnisreichen Urlaubes: ein noch recht unberührtes Paradies, dass dringend mehr gepflegt werden sollte!

Bilder folgen demnächst, denn wir sind gleich einen Tag nach Ankunft nach Shanghai geflogen, um unser Visum zu verlängern…echt Wahnsinn…fast ein Jahr in China vergangen!

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