Sicherlich ist in dem Jahr, in dem wir nicht in Deutschland gelebt haben, viel passiert. Trotzdem sind wir wieder in unsere Heimat gekommen und Heimat ist doch meistens etwas positives. Schade war nur, dass die Familie nicht komplett war, denn Lars musste arbeiten. Unser Flug ging nachts 2.30 Uhr, was super war, weil die Kinder so tatsächlich mal ein paar Stunden schliefen. Schon am Flughafen, traf es mich wieder wie ein Schlag ins Gesicht, als der Mitarbeiter am Schalter mir mitteilte, dass es leider nur noch Plätze an vier unterschiedlichen Orten im Flugzeug gäbe. Wie so oft (da sein Auftrag für ihn erledigt war), ließ er nicht mit sich reden und drückte uns die Tickets in die Hand. Nächste Instanz war dann der Flight Manager, der es zumindest schaffte uns je zwei Plätze zumindest nur einige Reihen entfernt zu versorgen. Letzte Instanz waren dann die Flugbegleiter direkt am Gate. Hier gelang es mir einen Blick auf den Bildschirm zu erhaschen und so kamen wir in den Genuss von je zwei Plätzen direkt hintereinander. Was will man bei einem Flugpreis von 900 Euro pro Person auch mehr erwarten??? Auf jeden Fall klappte es mit Linus und Gwen allein super. Ich musste mich um nichts kümmern! In Deutschland empfing uns Regen. Dazu war es kühl. Also genau das Wetter, das man erwartet;-) Da lobe ich mir immer wieder das halbe Jahr richtigen Sommer in Peking!
Nichts desto trotz, sollten es vier wunderschöne, erlebnisreiche Wochen werden, die man nicht so schnell vergisst. Ausflüge und Treffen mit Freunden und Familie. Und vor allem viel Natur und frische, saubere Luft, die auch mal nach Blumen und Wald duftet (ich bitte um Entschuldigung, wenn ich meine Natur-Affinität wahrscheinlich in fast jedem Bericht erwähne!).
Wenn man, wie ich, Natur liebt und braucht, dann ist das einfach ein ganz wichtiger Aspekt im Leben. Manch andere, auch Lars, stört es eigentlich weniger, dass es hier keinen saftig grünen Wald und keine wohltuenden Gerüche gibt, doch ich vermisse das einfach. Und so nutzte ich wirklich jede mögliche Minute, um durch die Gegend zu radeln und zu laufen. Ich glaube, ich war lange nicht so fit wie in diesen vier Wochen. Ich konnte endlich mal wieder rennen ohne Zeitdruck, aber mit viel Power, wohingegen ich nach zwei Wochen China mich schon wieder durch die Gegend schleppe, meist müde und geschafft bin und mein Akku irgendwie schon wieder leer scheint.
Andererseits kann ich auch sagen, dass ich zum ersten mal gern zurück nach Peking gekommen bin, weil ich weiß was auf mich zu kommt und mich besser darauf einstellen kann. Man weiß mittlerweile halbwegs wo alles zu finden ist und vor allem ist es schön, dass es auch hier Menschen gibt, auf die man sich freut. Man kennt sich und ist doch irgendwie dankbar, dass man sich hat!!! Auch der Umzug in die neue Wohnung trägt viel bei zum Wohlfühlfaktor. Obwohl der neue Wohnblock nur einen Katzensprung von unserer alten Wohnung entfernt ist, so läuft hier doch vieles anders. Das Ambiente ist um einiges internationaler und es ist wesentlich entspannter, weil die Kinder allein in den Innenhof können und ich sie trotzdem immer sehen und vor allem hören kann, und in einer Minute bei ihnen sein kann.
Letztendlich ist es das Gleiche in Deutschland. Es sind vor allem die Menschen und die nähere Umgebung, die einem nach wie vor immer noch verdammt wichtig sind und über die man sich einfach freut. Egal wo wir in den vier Wochen waren, wir wurden überall so lieb empfangen, aufgenommen und umsorgt. Das war richtig toll und darüber bin ich sehr dankbar. Auch wenn unsere Kinder nun schon einiges gewohnt sind und vermutlich auch dadurch recht anpassungsfähig geworden sind, so trägt ein netter Empfang doch viel dazu bei, dass sie sich überall so wohl fühlen. Es ist das wichtigste und schönste Freunde zu treffen, festzustellen, dass jeder sich natürlich verändert hat und seinen Lebensweg geht, und trotzdem ist es immer wieder ganz wichtig, sich zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen.
Auch hier trägt die Kulisse einfach wahnsinnig viel bei. Die Elbe, die Altstadt Dresdens, der Große Garten, ein Konzert in der Jungen Garde, die Spitzhaustreppen hochlaufen, Schloss Moritzburg, das Fasanenschlösschen, die wunderschönen, stilvollen Häuser an den Weinbergen Radebeuls. Die Liste könnte ich noch lange weiterführen. Wir können einfach froh und auch ab und zu dankbar sein, wie schön und gut wir leben. Erst diese Woche ist mir, neben vielen anderen Unglaublichkeiten, die einen hier täglich umgeben, aufgefallen, dass ich schon seit über einem Jahr mindestens einmal die Woche an einer Familie vorbeikomme, die letzes Jahr ein Baby bekommen hatten und eine öffentliche Toilettenanlage betreuen und dort auch wohnen. In einem kleinen Räumchen daneben ist alles untergebracht was sie brauchen. Schockiert hat mich nur, dass dieses Kind nun laufen lernt, aber immer in einem kleinen Plastik-Lauflernwagen eingepfercht ist, damit es nicht auf die Straße rennt. Dieses Kind wird lange nichts anderes kennenlernen. Obwohl dies sicherlich noch eine harmlose Begebenheit ist, so nimmt es einen doch mit, wenn ich gerade wieder meine Kinder vom Freizeitsport nach Hause kutschiere und versuche ihnen alles mögliche zu bieten (und dies manchmal immer noch nicht ausreicht). Ich wünsche mir aber, dass sie von den Dingen die sie hier sehen und erleben etwas „Gutes“ für sich mitnehmen und lernen, dass nicht alles so selbstverständlich ist.
In diesem Sinne beende ich diesen etwas nachdenklichen Text und melde mich wieder mit neuem Textgut, sobald sich die Gelegenheit bietet.