Datong – Kohlestadt mit wichtigem Kulturgut

Guten Tag miteinander,

Eine wirklich kluge Entscheidung die Stadt zu verlassen, trafen wir am langen Wochenende zu den Feierlichkeiten des 70. Jahrestages des Kriegsendes. Live hätte man es hier eh nicht zu sehen bekommen. Es wurde alles so geheim wie möglich gehalten. Die Panzer und Fahrzeugflotten rollten in der Nacht nach Peking ein und wurden an mehreren Orten in der Stadt verteilt, so dass man nichts zu sehen bekam. Nur zwei Wochen vor dem großen Event, als an einem Tag auch schon mal alles abgesperrt wurde, hatten wir sogar das „Vergnügen“ ein paar Panzer fast vor unserem Haus vorbeifahren zu sehen. Doch selbst da wurde bereits alles weiträumig abgesperrt, so dass wir nach einigen Minuten keine Lust mehr hatten aus großer Entfernung auf die Straße zu schauen. Interessant war in den Wochen vor dem großen Tag auch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme anzusehen. Alle zwanzig bis fünfzig Meter saßen oder standen Männer und Frau in hellblauen T-Shirts, roten Kappen und Sonnenschirmen und warteten, dass es endlich los geht. Aber was? Wie wir später sahen, waren sie für die Absperrungen zuständig, also an ganzen zwei Tagen im Einsatz. Und weil wohl keiner wissen sollte, wo die Strecke tatsächlich lang läuft, wurden sie einfach mal überall hingestellt. Es müssen Tausende gewesen sein! Zur großen Parade am Tian’anmen Platz vor der Verbotenen Stadt waren dann nur geladene Gäste zugelassen. Und so machten wir uns aus „Protest;-)“ auf nach Datong. Von einem glasklar blauen Himmel in Peking (ganz logisch an so einem Tag!) in eine der meist verschmutzten Kohle abbauenden Städte China’s! Trotz dieses Fakts bietet die Umgebung dieser Stadt mindestens zwei extrem beschauliche Sehenswürdigkeiten.

Einen richtig beeindruckenden Anblick bereitete uns das Hängende Kloster. Kaum zu glauben und wirklich sehr wackelig hängt es an die Felsen gepresst auf ein paar Holzpfählen und man wünscht sich eigentlich, dass entweder weniger Menschen hinauf gelassen werden oder das ganze etwas nachgerüstet wird. Leider scheint die Pflege eines solch empfindlichen Bauwerks etwas vernachlässigt zu werden. Ich versuchte mir vorzustellen, wie die Mönche wohl irgendwann hier gelebt hatten, „gefangen“ da oben, unter ihnen Wasser, welches jetzt von einem riesigen Staudamm unweit des Klosters zurückgehalten wird. Wie versorgten sie sich wohl? All diese interessanten Fragen blieben leider unbeantwortet.

Der nächste Tag begrüßte uns leider sehr verregnet. Trotzdem mussten wir natürlich, wie es sich für richtige Touristen gehört, unser Programm durchziehen! Also ab zu den Yungang Grotten, die übrigens sogar zum UNESCO Welterbe gehören. Sonne wäre schöner gewesen, aber trotzdem war auch dieser Ausflug sehr lohnend. Wir dachten eigentlich sowieso, wir wären drinnen, doch da hatten wir uns getäuscht. Die Grotten (um die 250) waren wie einzelne Räume in die man entweder ein Stück hineingehen konnte oder man sah bereits von außen die zahlreichen in Stein gemeißelten Buddhafiguren. Es sollen dort wohl um die 50.000 Buddhafiguren zu finden sein. Einige sind aber auch wirklich nur wenige Zentimeter klein. Die größte ist ca. sieben Meter hoch.

Am Ende besuchten wir noch ein traditionelles Schattenspiel-Theater, dass sehr laut war, aber trotzdem sehenswert für die Kinder. Gerade die älteren Chinesen hier lieben ja diese für uns viel zu grellen Theaterstücke mit den bunten, aufwendigen Kostümen. Linus und Gwen waren bei uns vorm Haus bereits in den Genuss gekommen mit einem Chinesen ein solches Stück auf seinem tragbaren Fernseher zu sehen:-) Natürlich wird dann trotz der bereits herrschenden Grundlautstärke der Lautstärkeregler noch richtig aufgedreht!!!

Am letzten Tag unseres Kurztrips fuhren wir dann noch mit einer Gondel auf den Mount Hengshan unweit des Hängenden Klosters. Dort wurden wir dann von vielen kleinen Tempeln überrascht, die man erwandern konnte.

Ich weiß ja nicht, ob in Deutschland auch etwas von der Parade durch die Medien ging. Hier gingen die Bilder von diesem Ereignis pausenlos auf und ab. Es war also trotzdem für uns als wären wir dabei gewesen:-)

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